Sd.Kfz. 182 Tiger II „Königstiger“

diorama_tn

Zugrunde lag der Bausatz von Dragon, Artikelnummer 6303, Maßstab 1:35. Dieser Bausatz beinhaltet bereits im Spritzguss enthaltene Zimmeritbeschichtung auf Wanne und Turm in der Ausführung der Fa. Henschel. Und wieder einmal beginne ich ein Loblied auf die Fa. Dragon, die auch mit diesem Kit wirklich noch einen drauf gesetzt hat. Der Kunststoff ist in gewohnt guter Qualität, kaum vergratet, wie üblich sehr passgenau und nichts verzogen. Kleine Schmankerl sind der aus Aluminium gezogene Lauf der 8,8cm Kanone, drei Granaten, ebenfalls aus Aluminium gedreht, viele Fotoätzteile für die Details, Abschleppseile aus Stahldraht und Dragons Magic Tracks titulierte Einzelgliederketten.

Wehmütig musste ich allerdings feststellen, dass keinerlei inneres Detail vorhanden war, nur an den Luken wurde daran gedacht, dass ein Panzer auch Innenleben hat. Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit diesem Bausatz eine Menge Spass haben können, denn auch hier gibt es viele Bauvariationen, die sich hier allerdings weniger auf technische Varianten beziehen, sondern eher auf äussere Detailtiefe. So hat man oft die Möglichkeit, entweder Teile aus Fotoätzteilen und Stahldraht selber zu bauen, oder vorgefertigte Plastikelemente zu benutzen, wie man denn halt lustig ist.

Die Dokumentation allerdings (Entschuldigen Sie bitte das jähe Ende des Lobliedes) ist unter aller Sau. Es handelt sich um eine dieser neuen bunten Varianten, die das Modell in (gerenderten?) 3D-Szenen zeigen, nicht mehr als Risszeichnungen. Das vereinfacht die Sache nur bedingt, denn die wichtigen Details sind jetzt kaum noch hervor gehoben, und man muss viele Dinge erst einmal ausprobieren, bevor man weiss, wie sie jetzt eigentlich zusammengehören. Das hätte sich Dragon echt sparen können. Ich hoffe inständig, dass sie zum alten System zurückkehren. Diese Dokumentation macht das an sich eigentlich nicht komplexe Modell recht anspruchsvoll in der Ausführung. So wird denn auch der Zusammenbau der Kette zum Martyrium, wenn man sich nicht vorher genau überlegt, wie man es am geschicktesten macht. Ich habe bei meiner Variante die Einzelglieder mit Abklebeband aneinander fixiert, auf die Rollen gebracht und in Form gelegt, wo ich die Einzelglieder an den herausragenden Teilen mit Klebertropfen aneinander verklebt habe. Zwei Stellen an der Transport- und Spannrolle habe ich ausgespart, um die Kette wieder von den Rollen lösen zu können. Die beiden entstandenen Teile habe ich dann vom Abklebeband befreit, die Einzelglieder komplett verklebt, lackiert und wieder zurück an die Rollen gebracht. Das hat sehr gut funktioniert.

tiger1

Am Ende hatte ich ein gelungenes Modell eines Königstigers, sehr detailreich, in einer Variation, die in der Ardennenoffensive zum Einsatz gekommen ist. Das war mir aber doch irgendwie zu langweilig. Da es sich bei diesem Modell um mein erstes Bodenfahrzeug gehandelt hat und ich bis dato noch keine Gelegenheit dazu hatte, juckte es mich nun in den Fingern, den Panzer doch über ein schönes Diorama in Szene zu setzen. Erfahrung hatte ich bisher damit nicht, aber Rohmaterial gibt es da ja genug, also bin ich mal ganz naiv an die Sache herangegangen und habe mit der Grundplatte angefangen. Die besteht aus einer Sperrholzplatte als Basis, auf die ich die Oberflächenstruktur mit Gips aufgetragen habe, es sollte ja nicht so langweilig gerade aussehen, wie man bei einigen anderen Dioramen gerne mal sieht. Einen Schönwetterpanzer auf Golfrasen wollte ich nun wirklich nicht haben. Eine Piste wurde vorgesehen, auf dem mit Hilfe von Restkettengliedern auf einer Restrolle Kettenspuren gezogen wurden. Der Sand sollte für Struktur der Piste sorgen, war aber eine blöde Idee, die ich netterweise noch korrigiert bekommen habe. Ein Baum und zwei „Felsen“ wurden noch in dem feuchten Gips positioniert, was eine sehr natürliche Optik ergab.

tmdior1

Das ganze wurde dann für die designierte Grasfläche in Braun seidenmatt grundiert und mit Khakibraun und schwarz in verschiedenen Verdünnungsgraden matt gefinished. Die Piste wurde in Sandfarbe grundiert und ebenfalls mit den gleichen Farben wie der Rest gefinished.

tmdior2

Die Rasenfläche konnte nach Abtrocknen (und der Gips brauchte eine Weile) dann mit Streugras aus der Streugrasdose versehen werden. Das war mein erster Versuch mit dem Zeug und ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Beim nächsten Mal kombiniere ich versch. Graslängen. :)

tmdior3

Ich habe natürlich nicht nur den Panzer auf die grosse Platte setzen wollen. Also entschied ich mich, zu mindestens noch eine 7,5er PaK in den Hintergrund zu setzen:

tmdior4

Weil mir das noch zu langweilig war, mussten noch mehr Details her. So viel Platz schreit nach mehr Details...

tmdior5

Jaaa, ich höre schon die Militärhistoriker unter Ihnen schreien und weinen. Einen 1944er Panzer mit Panzertruppen in schwarzen Uniformen, und dann auch noch Infanteristen der Wehrmacht in grauer Uniform zu der Zeit, welch Anachronismus! Aber entspannen Sie sich, es gibt einen guten Grund dafür: so gefällt es mir besser. Ich mag die Flecktarnuniformen einfach nicht so gerne, und es ist schliesslich etwas, was als Deko in meinem Zimmer stehen soll. Und solange man es besser weiß und den Leuten sagen kann, wo die Fehler liegen, sind kleine Anachronismen wie diese schon OK. ;) Der aufmerksame Beobachter wird bei meinen Modellen öfter solche „Fehler“ finden, die mir aber durchaus auch bewusst sind.

tmdior6

Aber das Ergebnis lässt sich sehen und ist zu einem besonderen Schmuckstück meiner Sammlung geworden. Definitiv ein lohnenswerter Ausflug in die Welt der Dioramen, die ich bei Gelegenheit gerne ausbauen werde. Mein nächstes Projekt wird wohl eine 8,8cm Flakstellung inkl. Grabensystem... Aber erstmal wieder ab in die Luft. :)

Zurück